Sant’Oronzo – warum Apulien Ende August seinen Heiligen feiert
Wer in diesen Tagen durch Apulien fährt, begegnet seinem Namen immer wieder: Sant’Oronzo. Straßen und Plätze werden mit prachtvollen *Luminarie* geschmückt, Musikkapellen ziehen durch die Orte und Prozessionen, Märkte, Konzerte und Feuerwerke gehören zu den Feierlichkeiten. Doch wer war Sant’Oronzo eigentlich – und warum hat er hier eine so große Bedeutung?
Nach der religiösen Überlieferung lebte Oronzo im ersten Jahrhundert und hieß ursprünglich Publio. Giusto von Korinth, der als Schüler des Apostels Paulus gilt, soll ihn mit dem christlichen Glauben bekannt gemacht haben. Nach seiner Taufe nahm er der Erzählung zufolge den Namen Oronzo an und wurde zum ersten Bischof von Lecce. Gemeinsam mit Giusto und seinem Neffen Fortunato soll er den christlichen Glauben im Salento verbreitet haben. Während der Christenverfolgung unter Kaiser Nero erlitt er der Überlieferung zufolge am 26. August den Märtyrertod. Deshalb wird sein Gedenktag bis heute an diesem Datum begangen.
Diese Lebensgeschichte ist Teil der religiösen Tradition und lässt sich historisch nicht vollständig belegen. Die ausführlichen schriftlichen Berichte entstanden erst im 16. Jahrhundert. Belegt ist jedoch, dass seine Verehrung schon früher existierte und Sant’Oronzo seit Jahrhunderten eine wichtige religiöse und kulturelle Identifikationsfigur des Salento ist.
Eine besondere Bedeutung erhielt seine Verehrung nach der Pest von 1656. Während die Epidemie weite Teile des damaligen Königreichs Neapel schwer traf, blieben Lecce, Ostuni und große Teile der Terra d’Otranto weitgehend verschont. Die Menschen führten dies auf die Fürsprache und den Schutz Sant’Oronzos zurück. Am 13. Juli 1658 bestätigte die zuständige kirchliche Kongregation Oronzo, Giusto und Fortunato als Patrone von Lecce. Von dort verbreitete sich die Verehrung Sant’Oronzos in zahlreichen Orten Apuliens und darüber hinaus.
Besonders bekannt sind heute die Feiern in Lecce und Ostuni. In Lecce werden Sant’Oronzo, San Giusto und San Fortunato rund um den 26. August mit religiösen Zeremonien, Prozessionen, Musik, kunstvollen Lichterbögen und einem großen Volksfest geehrt. Die Statue auf der hohen Säule an der Piazza Sant’Oronzo erinnert das ganze Jahr über an den Schutzpatron der Stadt.
In Ostuni findet die Festa di Sant’Oronzo traditionell vom 25. bis 27. August statt. Ihr besonderer Höhepunkt ist am 26. August die *Cavalcata di Sant’Oronzo*. Reiter in roten, goldverzierten Uniformen begleiten die silberne Statue des Heiligen durch die Stadt. Über den Ursprung dieser Tradition gibt es unterschiedliche Erzählungen. Eine davon führt die Cavalcata auf die früheren Fuhrleute, die sogenannten *Vaticali*, zurück. Sie sollen Sant’Oronzo um Schutz für ihre Reisen und Warentransporte gebeten und ihn aus Dankbarkeit bei der Prozession begleitet haben.
Eng mit der Ostuneser Verehrung verbunden ist auch das Santuario di Sant’Oronzo am Monte Morrone, wenige Kilometer außerhalb der Stadt. An dieser Stelle ist bereits im 16. Jahrhundert eine kleine Kapelle belegt. Nach der Pest wurde dort 1656/57 das heutige Heiligtum errichtet. Der religiösen Überlieferung zufolge hatte Sant’Oronzo in der dortigen Grotte während der Christenverfolgung Zuflucht gefunden. Auch die nahe gelegene Quelle gilt in der örtlichen Tradition als besonders und wird mit dem Heiligen verbunden.
Sant’Oronzo steht damit für weit mehr als ein religiöses Fest. Seine Festtage verbinden Glauben, Dankbarkeit, Geschichte und das starke Gemeinschaftsgefühl der apulischen Orte. Die *Festa patronale* ist ein Moment, in dem die Menschen ihre gemeinsame Geschichte lebendig halten – mit Musik, Licht, Begegnung und einer Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Habt ihr die Festa di Sant’Oronzo schon einmal in Lecce, Ostuni oder einem anderen apulischen Ort erlebt? Was berührt oder begeistert euch an diesen Festen besonders?
Ein schönes Sant'Oronzo euch allen!
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